Im April hereingelegt

Im April hereingelegt

Den armen Adolf hatten die Dorfbewohner einmal am ersten April gründlich zum Narren gehalten.

Er war ein sonderbarer Kauz und hielt sich für sehr wichtig. Im ganzen Dorf nannten sie ihn scherzhaft „Herr Landrat“. Darüber konnte er noch lachen. Wenn man ihn aber anders aufzog oder sich über sein Aussehen lustig machte, wurde er schnell empfindlich.

Am letzten Abend im März saßen die Mitglieder der Gemeindeverwaltung wie jedes Jahr in der Schenke zusammen. Die Jagd war neu verpachtet worden, und aus diesem Anlass gab es Freibier. Adolf fehlte bei solchen Gelegenheiten nie. Er war meist der Erste, der erschien, und der Letzte, der nach Hause ging.

Als bereits ein Fass Bier geleert war, spendierte einer der Jäger noch ein weiteres. Die Stimmung wurde immer ausgelassener. Adolf saß zwischen den Jägern und fühlte sich besonders wichtig, weil er jedes Jahr bei den großen Treibjagden mithalf. Seiner Meinung nach hätte man ohne ihn kaum einen Hasen erlegt.

Als die Männer genügend getrunken hatten, kamen sie auf die Idee, Adolf einen Aprilscherz zu spielen. Einer bemerkte, dass Adolf zwar ein anständiger Kerl sei, aber seine Glatze ihn älter wirken lasse. Ein anderer behauptete daraufhin, es gäbe inzwischen ein neues Haarwuchsmittel, das wahre Wunder vollbringe.

Sofort war Adolfs Interesse geweckt. Er wollte alles darüber wissen. Die Männer erzählten ihm die unglaublichsten Geschichten. Einer berichtete sogar, ein völlig kahler Mann habe nach kurzer Zeit wieder volles Haar bekommen. Adolf hörte aufmerksam zu und glaubte jedes Wort.

Schließlich schrieben die Dorfbewohner heimlich ein angebliches Rezept auf einen Zettel. Darauf standen jedoch keine echten Zutaten, sondern lauter Unsinn. Adolf bemerkte nichts davon und steckte den Zettel sorgfältig ein.

Am nächsten Morgen machte er sich sofort daran, die aufgeführten Zutaten zu besorgen. Dabei lief er von einem Geschäft zum anderen und fragte nach Dingen, die es überhaupt nicht gab. Überall wurde er ausgelacht oder verwundert angesehen.

Erst als ihm schließlich jemand erklärte, dass er auf einen Aprilscherz hereingefallen war, begriff Adolf langsam, was geschehen war.

Die Dorfbewohner hatten ihren Spaß gehabt. Adolf war zunächst wütend und beleidigt. Doch nach einiger Zeit musste selbst er über die Geschichte lachen.

Noch viele Jahre später erinnerte man sich im Dorf daran, wie Adolf am ersten April nach dem wundersamen Haarmittel gesucht hatte.