Geschichte 11 Die Krippe

11. Die Krippe

Die Krippe

Flimmerich Karlchen liebte gutes Essen.

Besonders gern aß er Bratkartoffeln. Wenn irgendwo im Dorf welche gebraten wurden, war Karlchen meist nicht weit entfernt. Doch eines Tages ereignete sich etwas, das ihm noch lange nachhing.  

In einer Schenke gab es frische Bratkartoffeln.

Karlchen konnte nicht widerstehen. Er setzte sich dazu und aß kräftig mit. Als er später nach Hause ging, fühlte er sich satt und zufrieden.

Doch mitten in der Nacht wurde plötzlich das ganze Dorf aufgeschreckt.

Jemand hatte die Krippe aus der Schenke gestohlen. Überall wurde darüber gesprochen. Die Leute suchten nach dem Täter und rätselten, wer so etwas getan haben könnte.  

Karlchen bekam davon zunächst nichts mit.

Er lag friedlich im Bett, bis plötzlich der Nachtwächter an seine Tür klopfte.

„Karlchen!“, rief er. „Mach auf!“

Verschlafen öffnete Karlchen.

Der Nachtwächter sah ihn ernst an.

„Man sagt, du hättest die Krippe!“

Karlchen glaubte, nicht richtig gehört zu haben.

„Ich? Die Krippe? Wie sollte ich denn zu einer Krippe kommen?“

Doch der Nachtwächter ließ nicht locker. Im Dorf sprach man bereits davon, dass Karlchen etwas mit dem Verschwinden zu tun haben müsse. Schließlich hatte er am Abend in der Schenke gesessen.  

Karlchen wurde immer nervöser.

Je mehr der Nachtwächter redete, desto mehr glaubte er selbst, in Schwierigkeiten zu geraten.

Schließlich begann er zu jammern:

„Lieber Himmel! Ich habe doch nichts getan! Ich wollte doch nur Bratkartoffeln essen!“  

Der Nachtwächter musste sich das Lachen verkneifen.

Er erklärte Karlchen schließlich, dass man ihm keinen Diebstahl vorwerfe. Im Dorf hatte man nur erfahren, dass Karlchen die „Krippe“ habe.

Da stellte sich das große Missverständnis heraus.

Mit „Krippe“ war gar nicht die verschwundene Weihnachtskrippe gemeint.

Karlchen hatte sich lediglich eine heftige Erkältung eingefangen und lag mit einer verstopften Nase im Bett. Im Dialekt bezeichnete man das ebenfalls als „Grippe“ – und genau daraus war die Verwechslung entstanden.  

Nun begriff Karlchen endlich, worum es ging.

Die Erleichterung war groß.

Am nächsten Tag sprach natürlich das ganze Dorf darüber. Jeder lachte über das Missverständnis. Der Nachtwächter erzählte die Geschichte weiter, und Karlchen musste sich noch lange anhören, dass er angeblich eine ganze Krippe gestohlen habe.  

Schließlich konnte auch Karlchen selbst darüber lachen.

„Wenn ich gewusst hätte, dass eine Erkältung solchen Ärger machen kann“, meinte er später, „dann hätte ich lieber auf die Bratkartoffeln verzichtet.“

Doch das glaubte ihm niemand.

Und so blieb die Geschichte von der verschwundenen Krippe und Karlchens Grippe noch viele Jahre im Dorfgespräch.