
8. Storbils reisen auf den Christmarkt






Storbils reisen auf den Christmarkt
Wer Storbils Rese und ihren Mann Ernst kannte, wusste eines ganz genau:
Diese beiden konnten aus jeder Kleinigkeit ein Abenteuer machen.
Rese war eine große, kräftige Frau mit einer gewaltigen Stimme. Ernst dagegen war eher klein und still. Wenn seine Frau sprach, kam er meistens gar nicht zu Wort. Trotzdem hielten die beiden zusammen und meinten es gut miteinander.
Eines Sonntags las Rese in der Zeitung von den Weihnachtsmärkten in Weißenfels.
„Ernst!“, rief sie begeistert. „Wir fahren auf den Christmarkt!“
Ernst war sofort einverstanden.
Schon am nächsten Tag begannen die Vorbereitungen. Doch wie so oft lief nicht alles nach Plan.
Als sie losfahren wollten, war plötzlich Reses Haube verschwunden. Das ganze Haus wurde auf den Kopf gestellt. Ernst suchte in Schränken, unter dem Bett und sogar im Garten. Rese lief aufgeregt durch die Stuben und schimpfte über Diebe und Vergesslichkeit.
Schließlich glaubten beide, die Haube müsse gestohlen worden sein.
Während sie noch suchten, bemerkten sie nicht, dass ihr Hund ein verdächtig zufriedenes Gesicht machte.
Erst als Rese genauer hinsah, entdeckte sie die Wahrheit.
Der Hund hatte die Haube gefunden und sich damit in seine Ecke verzogen. Als Ernst versuchte, sie ihm wegzunehmen, verteidigte das Tier seine Beute energisch. Es kam sogar zu einer kleinen Beißerei, bei der Ernst in die Nase gebissen wurde.
Der Tierarzt kam vorbei, doch der konnte wenig helfen. Die Haube war zwar wieder da, aber der Hund verschwunden. Nun begann die nächste Suche.
Endlich machten sich die beiden trotzdem auf den Weg.
Auf der Straße sorgten sie bereits für Unterhaltung. Die Nachbarn riefen ihnen hinterher, fragten nach ihrem Reiseziel und machten Scherze über ihren Ausflug. Rese nahm das gelassen hin.
Am Bahnhof wurde es dann richtig kompliziert.
Der Fahrkartenverkäufer fragte höflich:
„Welche Klasse möchten Sie fahren?“
Rese verstand die Frage nicht.
„Was für eine Klasse? Wir wollen nach Weißenfels!“
Die umstehenden Leute konnten sich das Lachen kaum verkneifen. Einer erklärte ihr schließlich, dass es verschiedene Wagenklassen gebe.
„Na dann“, meinte Rese entschlossen, „fahren wir natürlich in der besten! Wenn man schon einmal verreist!“
Der Fahrkartenverkäufer stellte die Tickets aus, Rese bezahlte widerwillig den höheren Preis und war überzeugt, ein besonders gutes Geschäft gemacht zu haben.
Ernst sagte lieber nichts.
Kurz darauf fuhr der Zug ein.
Rese stieg ein, betrachtete jeden Mitreisenden neugierig und war fest entschlossen, auf dem Weihnachtsmarkt etwas ganz Besonderes zu erleben.
Und so begann ihre Reise nach Weißenfels – eine Reise, über die das Dorf noch lange lachen sollte.


