Geschichte 6

6. Bimbaums Paul beim Vogelschießen







Bimbaums Paul beim Vogelschießen
Paul Bimbaum hatte eigentlich nur einen Wunsch: Er wollte endlich heiraten.
Doch das war leichter gesagt als getan. Im Dorf galt Paul nicht gerade als Frauenheld. Trotzdem ließ er sich nicht entmutigen. Als das große Vogelschießen in Weißenfels bevorstand, beschloss er, dort sein Glück zu versuchen. Vielleicht würde er dort endlich die richtige Frau kennenlernen.
Schon die Anreise begann unerquicklich.
Paul bekam eine Nachricht, dass ein Bekannter ihn am Bahnhof treffen wolle. Voller Erwartung machte er sich auf den Weg. Doch dort angekommen, lief alles schief. Missverständnisse, falsche Verabredungen und allerlei Durcheinander sorgten dafür, dass Paul schon früh zum Gespött seiner Freunde wurde.
Davon ließ er sich jedoch nicht beirren.
Auf dem Festgelände angekommen, stürzte er sich voller Hoffnung ins Vergnügen. Überall lockten Buden, Karussells und Schaubuden. Besonders beeindruckt war Paul von einer riesigen Dame, deren gewaltige Hosen später noch eine wichtige Rolle spielen sollten.
Zunächst versuchte er sein Glück bei den Losbuden. Tatsächlich gewann er sogar eine Flasche Wein. Das deutete er sofort als gutes Zeichen.
„Siehst du!“, sagte er stolz zu seinen Freunden. „Heute meint es das Schicksal gut mit mir.“
Die anderen grinsten nur.
Dann führte ihn sein Weg in die sogenannte Affenbude. Dort trat ein geschäftstüchtiger Schausteller auf, der versprach, aus jedem Mann in wenigen Minuten einen Affen machen zu können.
Paul glaubte zunächst an einen Scherz.
Doch ehe er sich versah, wurde er auf einen Stuhl gesetzt. Plötzlich trug er einen Affenschwanz, hatte eine seltsame Jacke an und wurde dem Publikum als „Johanna, das gebildete Affenmädchen“ vorgestellt.
Die Zuschauer lachten Tränen.
Paul dagegen wusste nicht, ob er vor Scham im Boden versinken oder weglaufen sollte.
Kaum war er dieser Peinlichkeit entkommen, geriet er in die nächste.
Vor einer anderen Schaubude begann ein Marktschreier lautstark für seine Attraktionen zu werben. Dabei zog er Paul kurzerhand auf die Bühne und stellte ihn dem Publikum vor.
Das Gelächter wurde noch größer.
Schließlich landete Paul sogar in der Nähe der berühmten Riesendame. Dort geschah ein Missgeschick nach dem anderen. Am Ende bekam er die gewaltigen Damenhosen in die Hände gedrückt und stand vor Hunderten von Zuschauern völlig verdutzt auf der Bühne.
Seine Freunde konnten sich kaum noch halten.
Für sie war das Vogelschießen der lustigste Tag seit Langem.
Paul hingegen war fest davon überzeugt, dass ihm das Schicksal übel mitspielte.
Doch trotz aller Blamagen gab er nicht auf.
Am Ende des Tages hatte er zwar keine Braut gefunden, dafür aber genug Geschichten erlebt, um das ganze Dorf monatelang zu unterhalten.
Und genau das geschah.
Noch lange erzählten die Leute davon, wie Paul beim Vogelschießen erst zum Affenmädchen wurde, dann auf einer Bühne landete und schließlich mit den Hosen der Riesendame herumstand.
Eine Frau hatte er an diesem Tag zwar nicht gefunden.
Aber berühmt geworden war er trotzdem.


