Geschichte 4 Fröhliche Pfingsten

4. Fröhliche Pfingsten

Fröhliche Pfingsten

Pfingsten war im Dorf immer etwas Besonderes. Wenn Besuch kam, wurde gefeiert, gegessen und natürlich auch gelacht.

So war es auch an einem Pfingstmontag, als bei Adolf ein Verwandter zu Besuch erschien. Der Mann brachte ein Fahrrad mit – etwas, das damals noch längst nicht selbstverständlich war. Kaum war er angekommen, versammelten sich die jungen Burschen des Dorfes um das Gefährt. Sie betrachteten es von allen Seiten, bestaunten jedes Detail und stellten Fragen.

„Wenn ihr wollt, dürft ihr später auch einmal fahren“, versprach der Besucher großzügig.

Damit war die Begeisterung perfekt.

Nachdem man gemeinsam gegessen hatte, beschlossen die jungen Männer, mit dem Fahrrad eine Runde durchs Dorf zu drehen. Adolf durfte als Erster fahren.

Er setzte sich stolz auf den Sattel, packte den Lenker und trat kräftig in die Pedale. Anfangs lief alles wunderbar. Das Fahrrad rollte ruhig über die Dorfstraße, und Adolf fühlte sich wie ein richtiger Sportsmann.

Was er nicht wusste: Seine Freunde hatten heimlich einen Streich vorbereitet. An das Fahrrad hatten sie allerlei Dinge gebunden – leere Dosen, Blechstücke und andere Gegenstände, die beim Fahren einen gewaltigen Lärm verursachten.  

Zunächst bemerkte Adolf davon nichts.

Er fuhr immer schneller und genoss die bewundernden Blicke der Zuschauer.

Plötzlich begann hinter ihm etwas zu klappern und zu scheppern.

„Links drehen! Links drehen!“, rief der Besucher.

Adolf verstand zunächst nicht, was gemeint war. Er versuchte zu lenken, doch das Fahrrad begann zu schlingern. Das Klappern wurde lauter und lauter.

Da bekam er es mit der Angst zu tun.

Das Rad raste über die Straße, die angehängten Blechteile schlugen gegeneinander, und hinter ihm entstand ein Höllenlärm. Adolf glaubte, die ganze Maschine würde auseinanderbrechen.

„Hilfe!“, schrie er.

Vor Schreck ließ er sogar seine Pfeife fallen.

Inzwischen hatten die anderen längst bemerkt, was geschah. Sie lachten Tränen, während Adolf verzweifelt versuchte, das Fahrrad wieder unter Kontrolle zu bringen.

Schließlich gelang es ihm, anzuhalten.

Doch damit war der Spaß noch nicht vorbei.

Wenig später traf ein Telegrammbote ein und brachte eine Nachricht. Darin stand, dass Adolf Hinner plötzlich als Rittergutsbesitzer und Besitzer einer großen Schlachterei zu Ansehen gekommen sei.  

Natürlich glaubte niemand ernsthaft an diese Geschichte – außer einigen besonders leichtgläubigen Dorfbewohnern.

Innerhalb kurzer Zeit sprach das halbe Dorf darüber. Manche wollten bereits wissen, wie reich Adolf nun geworden sei. Andere fragten sich, ob er bald in eine größere Stadt ziehen würde.

Als die Wahrheit schließlich herauskam, war das Gelächter erneut groß.

Am Ende musste sogar Adolf selbst über die ganze Sache lachen. Während die anderen noch immer über den Fahrradschreck sprachen, erklärte er nur:

„Eins weiß ich ganz genau: Auf so ein Ding setze ich mich so schnell nicht wieder!“

Und so erinnerte man sich im Dorf noch lange an die fröhlichen Pfingsttage, an das scheppernde Fahrrad und an Adolf, der für einen kurzen Augenblick glaubte, Herr über eine widerspenstige Maschine geworden zu sein.